Lernen von Klinsi & Co. ?!
Sonntag, 25. Jun 2006 10:47 von Wolff Horbach
Heute Morgen beim Joggen habe ich mir die Augen gerieben. Die Präsenz von “schwarz-rot-gold” wird immer dichter. Die Bildzeitung schreibt schon “schwarzrotgeil”. Der tägliche Klinsimeter bei Spiegel-Online ist auf den höchsten Wert von 10 Punkten gestiegen. Die ganze Nation ist in Partylaune.
Auch die Befürchtung von Telepolis, dass nach einer Niederlage gegen Schweden schlagartig die große Depression in Deutschland zurückkehren würde, ist seit gestern 18:45 schon überholt. Aber Telepolis hält daran fest, dass die Depression spätestens nach einer Niederlage im Endspiel da sei. Auch nach dem Titel wäre spätestens am 10. Juli Schluss mit der Party. Dann ständen wieder Hartz IV und Co. auf der Tagesordnung.
Ist die WM nur eine große Ablenkung? Gehen die Fans in die Public Viewing Areas um den grauen Alltag zu verdrängen? Oder können wir aus den bisherigen Erfolgen der Nationalmannschaft einiges für den Alltag lernen?
Ich bin für ein eindeutiges JA: Jürgen Klinsmann hat vor zwei Jahren zunächst einige alte Zöpfe abgeschnitten. Er hat sich mit altgedienten Funktionären angelegt, neue Trainingsmethoden aus seiner Wahlheimat USA mitgebracht und unbeirrt an seinem Programm festgehalten. Er hat es mit seinem Trainerstab und den vielen Helfern im Hintergrund geschafft, die Mannschaft auf den Punkt genau fit zu bekommen. Die Mannschaft strahlt Optimismus, Geschlossenheit und Spielfreude aus. Sie bereiten sich akribisch vor, spielen mutig und beherzt, sind sehr aufmerksam bis zum Abpfiff. Sie freuen sich über die Erfolge, bleiben aber auf dem Teppich.
Wenn nur 1% von diesen Eigenschaften auf die Gesamtbevölkerung abstrahlen würde, dann hätten wir aus der WM einen großen Gewinn gezogen. Dann kann ruhig der 10. Juli kommen. Auch wenn Deutschland am 9. Juli nur Zuschauer wäre.
Hier schreibt 