Ist Glück zerbrechlich?
Sonntag, 24. Sep 2006 12:35 von Wolff Horbach
Im Volksmund heißt es “Glück und Glas, wie leicht bricht das”. Heute las ich einen Leserbrief “Auch unser Glück zerbrach …“. Aber ist Glück zerbrechlich wie ein Gegenstand?
Was ich bei solchen Sprüchen vermisse, ist die Übernahme der eigenen Verantwortung. “Das Glas ist heruntergefallen”. Ach. Das Glas hat sich wohl zu sehr über den Tischrand gebeugt. Oder war zu leichtsinnig und hat sich in der Höhe verschätzt, als es auf den Küchenboden sprang.
Wie wäre es denn mit “Mir ist das Glas aus der Hand gefallen” oder “Ich war unaufmerksam und habe das Glas heruntergestoßen”? Nicht “Unser Glück ist zersprungen”, sondern “Ich habe nicht darauf geachtet, dass …”. Gläser haben den Vorteil, dass sie relativ billig sind und sich leicht nachkaufen lassen. Mit dem zerbrochenen Familienglück ist es da schon schwieriger.
Wenn es mit der Partnerschaft und Ehe schon nicht geklappt hat, so sollten die Beteiligten doch wenigstens so vernünftig sein und mit der bestehenden Situation Sinn-voll umgehen, anstatt sich weiter zu verletzen. Ein paar Glückswege helfen da weiter: Auch wenn es momentan schwierig ist, so gibt es doch bestimmt viele schöne Erinnerungen an die gemeinsame Zeit, wo man sich noch geliebt hat. Dafür kann ich dankbar sein. Auch wenn der Andere mich vielleicht verletzt hat, so kann ich ihm verzeihen. Das hilft ihm und mir ungemein, wieder schnell auf Glückskurs zu kommen.
Die Übernahme der Verantwortung für seinen Anteil - richtig durchgeführt - hat einen großen Vorteil. Er beugt zukünftigem Unglück in der nächsten Partnerschaft vor. Glück ist kein zerbrechlicher Gegenstand, sondern eher etwas was gestaltbar ist. Es läßt sich formen, es kann wachsen. Alleine geschieht das nie. Ich muss (darf) etwas dafür tun. Wie sagte schon Aristoteles: Glück ist eine Folge aktiven Handelns.
Hier schreibt 