Was Bayern von der Schweiz lernen kann
Montag, 22. Jan 2007 0:13 von Wolff Horbach
Hallo hier bin ich wieder. Nach einigen Tagen kreativer Pause bin ich wieder an Bord. Und gleich mit einem brisanten Thema: Politik.
Was hat Politik mit Glück zu tun? Ganz einfach: Gute politische Entscheidungen machen uns alle glücklich! Es gibt einige Untersuchungen in der Glücksforschung, die belegen, dass es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der direkten Mitwirkungsmöglichkeit der Bürger in politischen Fragen und der Lebenszufriedenheit gibt.
Die Schweiz ist bei internationalen Vergleich in der Zufriedenheit und dem Glücksempfinden der Bürger seit einigen Jahren immer in der Spitzengruppe zu finden. Zurückzuführen ist dies auf die direkte Demokratie. Die Schweizerinnen und Schweizer haben in vielen Fragen des täglichen Lebens ein direktes Mitsprache- und -entscheidungsrecht. Manchmal ist das sehr zäh und kommt uns Deutschen vielleicht kleinkariert vor. Tatsächlich ist die direkte Mitentscheidung aber sehr wichtig für die persönliche Zufriedenheit. Während hierzulande viele Bürger sagen: “Da kann ich eh nichts machen. Die da oben machen ja was sie wollen”, kann die Schweizerbürgerin / der Schweizerbürger sich entscheiden. Sie/er wird sich notwendigerweise mit dem Thema auseinandersetzen. Sich in der Familie / mit den Freunden unterhalten, diskutieren, vielleicht streiten. Am Ende steht eine aktive Teilnahme: ich nehme nicht teil, ich bin dafür, ich bin dagegen. Das Gefühl, gefragt zu werden; das Gefühl, beteiligt zu sein, ist gut. Auch wenn die Abstimmung am Ende ein anderes Ergebnis erbringt, als persönlich erhofft.
Und was geschieht bei uns? Leider viel zu wenig. Ein Paradebeispiel liefert gerade Bayern. Einerseits macht Bayern Mut, weil es eine Menge Erfolge vorzuweisen hat. Anderseits scheint es mir so, was wäre die Demokratie in diesem Lande noch nicht ganz angekommen.
Die Erfolge: Bayern schneidet bei vielen Ländervergleichen gut ab: Hohes Wirtschaftswachstum. Geringe Arbeitslosigkeit. Das Konzept “Laptop und Lederlose” scheint aufgegangen zu sein.
Die Mißerfolge: Starke Landesväter wie Strauß und Stoiber scheinen zur Überheblichkeit zu führen (dabei gibt es schon seit einiger Zeit keinen König von Bayern mehr). Gabriele Pauli fühlte sich durch Stoiber bzw. seine Staatskanzlei (welch ein gewalttätiges Wort in unserer Zeit) bespitzelt. Sie war der Anfang von seinem Ende.
Das Gute daran: Auch ein Landrätin kann einen Landesvater (warum nehmen wir Frauen immer noch nicht ernst?) zum Sturz bringen.
Zum Kotzen: Da finden die Herren Beckstein und Huber, sie könnten die lukrativsten Posten Ministerpräsident und Parteivorsitzender im Hinterzimmer unter sich auskungeln. Vorbei an 173.000 Mitgliedern. Ist die CSU noch eine demokratische Partei?
Ich hoffe, dass die CSU-Mitglieder ihre Oberen zur Raison rufen (am besten per Mitgliederentscheidung) und dass sich die Bayern am Ende mit ihrer Wahl glücklich fühlen.
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