Glücksache Gesundheit
Mittwoch, 16. Mai 2007 15:26 von Wolff Horbach
Spiegel-Online berichtet heute unter dem Titel: Glücksache Gesundheit: Jedes fünfte Kind ist psychisch auffällig über die schlechte körperliche und geistige Verfassung von vielen Kindern. Eine Hauptursache scheint das (schlechte) soziale Umfeld zu sein. Zitat:
Gesundheit, sowohl die körperliche als auch die psychische, ist für Kinder in Deutschland nicht zuletzt Glückssache: Sie hängt von dem Glück ab, in ein vorteilhaftes soziales Umfeld hineingeboren zu werden. Das zeigt die erste umfassende bundesweite Studie zum Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen.
Ein Paradox: Auf der einen Seite verstehen wir dank der Glücksforschung immer besser, was wir tun können, um uns und andere glücklich zu machen. Auf der anderen Seite gleiten große Bevölkerungskreise durch schlechte Bildung, durch Fehl-Ernährung und durch mangelhafte Bewegung immer weiter ab. Stichworte: Verfettung, Asthma, Depression. Mit fatalen Folgen für unser Gesundheitssystem.
Was können wir tun, um den Trend umzukehren?
Hier schreibt 
Als Oecotrophologie-Student kann ich mich nur aufs Essverhalten beziehen:
Viele Präventionsprogramme bringen(noch)keinen Nutzen - mehr Wissen heißt also noch lange nicht “verstehen”.
Ich bin gespannt auf die Vorschläge.
Ein Projektmitarbeiter erzählte mir die Schlüsselfragen für deren Projekt:
* Wie krieg ich die Kinder und Eltern dazu, dass die was ändern wollen?
* Wie schaffen es alle ihr Ziel umzusetzen?
Blöd war auch, dass Projekte oft am grünen Tisch geplant werden müssen; dann läuft es nicht so und man müsste zwischenfunken - da fehlen aber dann die nötigen Mittel.
Hallo Jochen, danke für deinen Beitrag. Deine Information ist interessant. Ich bin bisher immer davon ausgegangen, dass Lernen, also eine Art von Erkenntnisprozess, der 1. Schlüssel ist, etwas verändern zu wollen.
Ich dachte daher bisher, wenn die Menschen erst mal die Erkenntnis haben, “ah, fettes Essen mach dick”, käme auch automatisch der Wunsch, durch anderes Essen die Richtung umzukehren.
Habe ich das richtig verstanden? Ist dem nicht so? Gibt es in der Oecotrophologie Erkenntnisse darüber, wie man am besten Menschen von einer gesunden Lebensweise überzeugt?
Ja, das hast du richtig verstanden, in diesem Projekt war dem nicht so.
Es handelte sich um ein Projekt in einem Stadtviertel, in dem viele “sozialschwach” sind.
Man schuf das Angebot von Ernährungstrainings und Bewegungskursen für Eltern und Kinder.
Es beteiligten sich vor allem die Eltern die eher kleinere Probleme hatten.
Die anderen wurden nicht erreicht oder wollten nicht mitmachen. Häufig ist es so, dass Dickleibige deutlich mehr theoretisches Wissen haben als Dünne, ihr Ziel dünner zu werden aber nicht erreichen.
Die Wissenschaft ist sich auch nicht wirklich einig. Hier ist ein 4 seitiger Artikel in der Zeit der die jeweiligen Thesen der “besten” Diäten kritisch beäugt:
http://www.zeit.de/2006/46/Ernaehrung?page=1
Resignation und Gleichgültigkeit kommen bei Problemfällen oft vor.
Der Prozess das Essverhalten zu ändern ist knüppelhart - oft muss mit Gewohnheiten gebrochen werden.
Eine Tiefkühlpizza ist günstig, geht schnell, den Kindern schmeckts, macht wenig Dreck - warum macht man sowas also nicht jeden Tag?
Man muss den Leuten Vertrauen in sich geben, man muss mit ihnen einen Weg finden und sie müssen ihn gehen UND sie müssen mit Rückfällen zurecht kommen - wie gesagt schwierig. Die Wissensvermittlung ist da noch das Einfachste.
Deswegen basteln Susanne Melles (Sanovia) und ich auch grad an einem feinen Konzept.. stay tuned…
Danke Jochen für die interessanten Infos.
Mal sehen, was ich davon für die Motivation zum Glück gebrauchen kann. Auch hier gibt es sehr viele Menschen, die lieber in ihrem Unglück verharren, als sich aufzuraffen und etwas für ihr Glück zu tun.