Glücksforschung - Feind unseres Wirtschaftssystems?
Freitag, 3. Aug 2007 9:18 von Wolff Horbach
Der Kolumnist Bernd Niquet vertritt bei Yeald (”Die interaktive Investorenzeitung”) die Auffassung, dass die Glücksforschung unser Wirtschaftssystem bedroht:
Bisher hat YEALD-Kolumnist Bernd Niquet es stets vermieden, sich um die Glücksforschung der Ökonomen zu kümmern. Denn Nutzen, so hat er gelernt, ist weder interpersonal vergleichbar noch überhaupt kardinal messbar. Wir können das Glück oder den Nutzen, den ein Gut uns stiftet, nicht messen. Wäre es anders, würde eine handfeste Wirtschaftskrise drohen…
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Mein Kommentar dazu: Hätte der Kolumnist es nicht “stets vermieden, sich um die Glücksforschung der Ökonomen zu kümmern”, dann würde er nicht so falsche Behauptungen aufstellen. Glück ist sehr wohl messbar. Zwar nicht objektiv von außen, aber subjektiv durch die einzelnen Menschen für sich selbst. Es gibt zahlreiche Untersuchungen, in denen Menschen gebeten werden, auf einer Skala von 1 bis 10 oder 1 bis 100 anzugeben, wie glücklich sie sich fühlen. Und stets antworten die Menschen mit einer Zahl. Probieren Sie es selbst aus. Das ist kardinal Herr Niquet!
Und mit der Zahl wird das Glück auch zwischen Menschen (interpersonal) und zwischen Nationen vergleichbar.
Natürlich müsste und würde sich unser Wirtschaftssystem verändern, wenn sich viele Menschen darüber bewusst wären, dass viele Produkte und Dienstleistungen unserer heutigen Wirtschaft sie gar nicht glücklicher machen. Was ist denn das für eine Haltung, zu sagen “Die Wirtschaft lebt also von den Unreflektiertheiten der Menschen …”? Soll das bedeuten, wir müssen die Leute dumm halten und dafür sorgen, dass sie nicht zu viel wissen?
Ich bin fest davon überzeugt, dass die Erkenntnisse der Glücksforschung zu einem besseren Wirtschaftssystem führen können. Wenn wir weniger produzieren, verbrauchen wir auch weniger Rohstoffe und Energie. Wir schonen unsere Umwelt. Wenn es insgesamt für alle etwas ruhiger zugeht, dann haben wir weniger Stress und mehr Zeit für uns. Produkte und Dienstleistungen, die uns wirklich glücklich machen, sind gefragt. Nicht Schund und Firlefanz, der uns nur das Geld aus der Tasche zieht.
Wo hat uns denn unser heutiges System hingeführt? Wir haben zwar immer mehr Wohlstand, sind aber etwas weniger glücklich als noch vor Jahrzehnten. Erkauft haben wir uns das mit immer mehr Stress, mit kaputten Beziehungen und epedemisch zunehmenden Depressionen.
Glück auf!
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