“Gut genug” schlägt “Das Beste”
Dienstag, 7. Aug 2007 8:47 von Wolff Horbach
Vielleicht kennen auch Sie den Werbespott eines Finanzdienstleisters, bei dem ein Ehepaar in ein gutes Restaurant geht. Der Mann bestellt beim Ober: “Für mich das zweitbeste Steak! Für meine Frau den zweitbesten Fisch!” Damit will man uns suggerieren: Geben Sie sich nie mit dem Zweitbesten zufrieden, sondern streben Sie stets DAS BESTE an. Aber ist das auch sinnvoll?
Zahlreiche Forschungsberichte aus der Soziologie und Psychologie belegen, dass das Streben nach dem Besten meistens keine gute Wahl ist. Menschen, die stets das Beste anstreben, werden von den Forschern Maximierer genannt. Der andere Typus, der Mensch, der sich mit dem zufrieden gibt, was für ihn gut genug ist, Satisficer.
Der Maximierer handelt sich auf dem Weg zum Besten eine Menge Nachteile ein:
- Um das Beste zu erreichen, muss man alle Möglichkeiten prüfen. Sonst ist man nicht sicher, auch das Beste erreicht zu haben. Das Prüfen aller Möglichkeiten, oder zumindest das Überprüfen sehr vieler Alternativen, erfordert einen enormen Aufwand an Zeit und manchmal auch Geld.
- Das Überprüfen von vielen Alternativen kostet auch geistige Energie, denn mit jeder Entscheidung für etwas, muss man sich gegen etwas anderes entscheiden. Das sind geistige Verluste, die psychisch zu schaffen machen.
Aber auch nach der Entscheidung, dem Kauf etc. ist der Maximierer oft mit der Entscheidung nicht zufrieden:
- Er ist sich nie sicher, ob er wirklich das Beste gewählt hat. Der Gedanke, eventuell doch das Beste verpasst zu haben, ist quälend.
- Der Maximierer hört auch nach der Entscheidung nicht auf, zu vergleichen. Wenn dann später ein besseres Angebot auftaucht, bereut er seine ursprüngliche Entscheidung oder nicht lange genug gewartet zu haben.
Der Satisficer dagegen zieht aus der Entscheidung nicht das Beste anzustreben eine Menge Vorteile:
- Seine Entscheidung ist einfach und effizient. Sobald er etwas gefunden hat, was gut genug ist, ist seine Entscheidung klar. Das spart viel Zeit, Geld und psychischen Entscheidungsaufwand.
- Er ist mit seiner Entscheidung auch dann noch zufrieden, wenn er später etwas entdeckt, was vielleicht besser als seine ursprüngliche Entscheidung ist. Im Gegensatz zum Maximierer vergleicht er auch nicht ständig.
Wenn wir unser Glück steigern wollen, dann tun wir also gut daran, zum Satisficer zu werden.
Hier schreibt 
Beim lesen fiel mir sofort das Pareto Prinzip ein. Mit 20% des Aufwandes 80% des möglichen Ergebnisses erzielen. Wie bemerke ich aber, wann ich die 20% errreicht habe?
Super Idee: Das Pareto-Prinzip gilt bestimmt auch hier!
Die 80:20-Regel darf man nicht allzu scharf fassen. Es gibt sicherlich keinen deutlichen Punkt, an dem man erkennen kann, dass jetzt genau 80% erreicht bzw. genau 20% Aufwand getrieben wurden. Wichtig ist, rechtzeitig zu erkennen, wann immer mehr Aufwand notwendig sind, um immer weniger Ergebnis zu erreichen.
Literaturtipp: Richard Koch: Das 80/20-Prinzip. Dazu gibt es auch eine Website: http://www.the8020principle.com
[...] Im Glücksnetz Blog titelt Wolfgang Horbach “Gut genug” schlägt “Das Beste”. Es geht darum nicht das Allerbeste zu wollen, sondern das, was ausreicht. Wie ich finde eine sinnvolle Haltung, die eine Menge unnütze Kraft spart. [...]