Jenseits der Armutsgrenze
Sonntag, 12. Aug 2007 10:00 von Wolff Horbach
“Geld macht nicht glücklich” sagt der Volksmund und wird in großen Teilen von der modernen Glücksforschung bestätigt. Genauer müsste man sagen: Geld trägt zum Glücklichsein nur wenig bei, wenn man eine gewisse Grundversorgung erreicht hat.
Ein schöne Zusammenfassung der Glücksforschung zu der Beziehung von Geld zu Glück liefert Telepolis:
Ist man der Armut entronnen und hat einmal ein passables Konsumniveau erreicht, dann bringt mehr Geld auch nicht mehr Glück
Persönliches Glück und subjektive Zufriedenheit haben, folgt man den quasioffiziellen Medienquellen (Zeitungen, Funk, Fernsehen, Film – wie das früher so schön hieß, und natürlich der Werbung) und dem meist fatalen Peer-Group-Empfinden, viel miteinander zu tun. Aber das ist nur die grobe, halbe Wahrheit, die uns die globale kommerzielle Manipulationsmaschinerie aufzwingt.
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Hier schreibt 
Allerdings gilt auch hier zu Bedenken, dass Erfolg ebenfalls zum persönlichen Glück beitragen kann. Und eben mit diesem Erfolg ist in der Regel auch finanzieller Erfolg mit eingeschlossen. Erfolg im Beruf, Karriere etc….
Dass Erfolg glücklich macht, ist eine Grundannahme der meisten Menschen. Deshalb jagen wir auch so dem Erfolg hinterher.
Aber es gibt hochinteressante Ergebnisse der Glücksforschung, die genau das Gegenteil belegen:Glückliche Menschen sind erfolgreich.
Wer guter Dinge ist und positiv eingestimmt, trifft bessere Entscheidungen, geht besser mit Mitmenschen, Mitarbeitern und Kunden um, erzielt bessere Ergebnisse.
Es lohnt sich also mehrfach, für das eigene Glück etwas zu tun. Glück ist lernbar!
Wenn ich das richtig verstehe:
glücklichsein erlernen -> erfolgreich sein -> noch glücklicher sein -> noch erfolgreicher -> noch noch glücklicher usw.
Schöner Gedanke. Aber diese Endlosspirale wird es nicht geben. Dem Glück sind Gottseidank auch Grenzen gesetzt. So wie wir aufhören zu essen, wenn wir satt sind, lässt die Produktion von Glückshormonen nach, wenn wir einen hohen Glückspegel erreicht haben. Die Abwechslung machts.
In der Zwischenzeit ist dieser Gedanke schon ziemlich weit oben angekommen: Im November fand in Brüsel die Konferenz “Beyond GDP: measuring progress, real wealth and the well-being of nations” (Jenseits des Bruttoinlandsproduks – Messung des Fortschritts, wirklichen Wohlstands und des Wolbefindens der Nationen) statt - organisiert von EU-Kommission, Europaparlament, WWF und Club of Rome. GDP ist die engl. Abkürzung für das deutsche „Bruttoinlandsprodukt“ (also das, was man früher unter Bruttosozialprodukt verstanden hat: „jetzt wird wieder in die Hände gespuckt…“ – die Summe aller Produkte und Dienstleistungen einer Gesellschaft - bewertet in Geld).
Das Thema beschäftigt mich seit ich vor über 30 Jahren die „Grenzen des Wachstums“ gelesen habe. In den letzten Jahren ist das Thema weniger populär. Jetzt hat es plötzlich wieder Konjunktur. Umweltkommissar Dimas ist es zu verdanken, das Thema auf den europäischen Tisch gebracht zu haben: zu zeigen, dass sich das gute Leben in reichen Ländern längst vom Bruttoinlandsprodukt entkoppelt hat. Die Wirtschaft wächst, die Lebensqualität, das Wohlbefinden oder Glück der Menschen steigt aber längst nicht mehr im gleichen Ausmass – wenn überhaupt.
Aus einer wichtigen Initiative ist ein wirklich großer Event geworden: 750 TeilnehmerInnen aus 50 Ländern von allen Kontinenten. Die Konferenz wurde von Jose Manuel Barroso eröffnet und mehrere Kommissare haben gesprochen, ausserdem hochrangige Exponenten der wichtigsten NGOs, internationaler Organisationen, Regierungsvertreter etc. pp. Auch echte “Glücksforscher”, wie Bruno Frey. Leute wie Nic Marks und Ruud Veenoven waren im Publikum.
Die Konferenz ist unter http://www.beyond-gdp.eu/ sehr gut dokumentiert.
Mein eigener Bericht findet sich unter
http://tourdeeurope07.twoday.net/stories/4462521/
bzw.
http://tourdeeurope07.twoday.net/stories/4466794/
Lieber Fritz,
vielen Dank für die interessanten und positiven Nachrichten!