Glück aus der Apotheke - das Millardengeschäft mit Psychopharmaka
Sonntag, 16. Dez 2007 14:47 von Wolff Horbach

Millionen Menschen tun es jeden Tag: Um nicht in das schwarze Loch zu fallen, nehmen sie Antidepressiva. Um besser drauf zu sein, werfen sie morgens noch schnell ein paar Tranquilizer rein. Jährlich geben ängstliche, verunsicherte und antriebsschwache Menschen rund 13 Milliarden Dollar für Psychopharmaka aus. Ein gigantischer Markt. Tendenz steigend.
Was ist von einem Volk zu halten, welches einen Radsportler verurteilt, der sich gedopt hat, um zu siegen; gleichzeitig aber heimlich Massendoping betreibt, um halbwegs durch den Alltag zu kommen?
In einer Notfallsituation - bei Panikattaken, einer Psychose, einer Lebenskrise - ist es sicherlich angebracht, wenn ein Arzt oder Psychiater versucht, mit Psychopharmaka zu beruhigen und zu stabilisieren. Aber als Massenmittel oder Dauereinnahme?
Mediziner, Psychologen, Pharmaindustrie und Apotheker mögen jetzt über mich herfallen: aber ich behaupte, dass über 90% aller Psychopharmaka überflüssig oder gar schädlich sind. Anstatt die Menschen wieder in die Lage zu versetzen, ihr eigenes Leben zu gestalten, werden sie betäubt. Anstatt die Umstände zu beseitigen, die Menschen in Angst und Schrecken versetzen, werden die Opfer ruhig gestellt. Anstatt die Menschen zu Schmieden ihres eigenen Glücks auszubilden, werden ihnen chemische Krücken gereicht.
Es mag ja schein, dass viele Menschen einen Mangel an den Glückshormonen Dopamin und Serotonin haben. Schon mehr körperliche Bewegung und eine vollwertige Ernährung können Wunder vollbringen.
Schmeißt die Pillen weg, lernt glücklich zu sein!
Hier schreibt 
Zitat:
“Mediziner, Psychologen, Pharmaindustrie und Apotheker mögen jetzt über mich herfallen: aber ich behaupte, dass über 90% aller Psychopharmaka überflüssig oder gar schädlich sind.”
Liebe Leser, lieber Herr Horbach,
zwar möchte ich nicht über Sie herfallen, jedoch stelle ich mir die Frage, wie Sie zu Ihrer Einschätzung gelangen?
Persönlich glaube ich: Psychopharmaka retten Leben, oft helfen sie zumindest, persönliche Krisen zu überwinden. Was bringt es da, die Psychopharmaka schlecht zu machen? Natürlich sind Antidepressiva nur eine Notlösung. Aber die Gesellschaft zu verändern braucht eben seine Zeit. Ist da nicht eine Notlösung wenigstens besser als gar keine Lösung? Im übrigen glaube ich auch, Ihr Ansatz, die Menschen “zu Schmieden ihres eigenen Glücks auszubilden” ist zwar ein guter, die Ursache des Deutschen Unglücks jedoch, beseitigen Sie damit nicht. Ich denke vielmehr, das System muss sich ändern. Man muss eine Umwelt schaffen, in der Menschen erst gar nicht unglücklich werden!
Mit freundlichen Grüßen,
Philipp K.
@ Phillip:
Zu der Einschätzung komme ich durch eigene Beobachtung und durch viele Berichte aus der Depressionsforschung.
Die Gesellschaft, das System, ändert sich nur, wenn sich einzelne Menschen ändern. Wenn einzelne Menschen beginnen zu begreifen, dass das Glück nicht von außen kommt, sondern aus ihnen selbst, dann werden sie stark und frei.
Ich verteufele die Psychopharmaka ja nicht generell, sondern nur in der Massenanwendung und als Lifestyle.
Lieber Herr Horbach,
was dem Umgang mit Psychopharmaka angeht, sind wir uns, glaube ich, einig.
“Wenn einzelne Menschen beginnen zu begreifen, dass das Glück nicht von außen kommt, sondern aus ihnen selbst, dann werden sie stark und frei.”
Das ist richtig. Und immer wenn sich ein Unglücklicher an Sie wendet, kann Ihr Angebot ihm helfen.
Es gibt glücklichere Länder als Deutschland. Gerade ging durch die Presse, dass sich die glücklichsten Menschen der Erde den Inselstaat Vanuatu in der Südsee bewohnen. Da auch Psychopharmaka, Therapien und letztlich auch Projekte wie das Ihre solche Statistiken beeinflussen, lässt mich die Plazierung Deutschlands im Mittelfeld erst recht aufhorchen.
Die wichtigste Frage, die sich in meinen Augen stellt: was kann sich an unserer Gesamtmentalität, unserer Haltung, unserem System und in unserem Land ändern?
Der Einsatz von Psychopharmaka bringt leider unangenehme Nebeneffekte mit sich: das System muss sich erst ändern, wenn auch durch den Einsatz von Psychopharmaka die wachsenden Probleme nicht mehr kompensiert werden können.
Das Unglück der Deutschen ist ein Symptom.
Die Deutschen haben nicht aus purem Zufall verlernt, wie man glücklich ist.
Jezt zitiere ich Sie noch ein mal:
“Anstatt die Umstände zu beseitigen, die Menschen in Angst und Schrecken versetzen, werden die Opfer ruhig gestellt. Anstatt die Menschen zu Schmieden ihres eigenen Glücks auszubilden, werden ihnen chemische Krücken gereicht.”
Wir denken also in Etwa das Gleiche. Umso mehr verwundert es mich deshalb, welche Konsequenz Sie aus dieser Einsicht ziehen (und damit zitiere ich Sie zum vorerst letzten Mal
:
“Es mag ja sein, dass viele Menschen einen Mangel an den Glückshormonen Dopamin und Serotonin haben. Schon mehr körperliche Bewegung und eine vollwertige Ernährung können Wunder vollbringen.
Schmeißt die Pillen weg, lernt glücklich zu sein!”
Damit machen Sie zwar einige Menschen glücklich, aber glückliche Menschen haben auch wenig Grund, nach dem “Fehler im System” zu suchen. Ich fürchte, das Glück, das Sie mit Ihrer Empfehlung säen kann das Inhärente Unglück nur verzögern. Man muss den Löwenzahn eben mit der Wurzel ausgraben…
Viele Grüße,
Philipp K.
Ich bin selber “user” und möchte zu dem Ganzen sagen, dass es sicher richtig ist, was gesagt wurde. Aber die Autoren vergessen, dass es keinen gibt, der einem hilft, seine Probleme zu lösen. Es gibt diese Menschen nicht. Eine Illusion, ein Trugbild.
Ich glaube nicht, dass sie überschätzt wird.
Das einzige, was vielleicht helfen könnte, ist Liebe. Also, wenn man einen Menschen findet, der einen liebt und einem mit seiner Liebe aus den Problemen raushilft.
Das könnte klappen. Aber, wer liebt schon Menschen, die Psychiatrieerfahrung haben? Zeigt sie mir. Es gibt sie selten.
Eins ist klar, Psychologen lieben einen nicht. Deswegen können sie einem auch nicht wirklich mit seinen Problemen helfen.
Vielleicht ist es ja so, das irgendwann in 100 Jahren auf die jetzige Zeit zurückgesehen wird und gesagt wird: “Da wurden ganze Völker ruhiggestellt, anstatt den Menschen umsetzbare Perspektiven aufzuzeigen.” Vielleicht wird man irgendwann verstehen.
Bis dahin kann man nur hoffen, dass die Liebe einen rettet.
@ Phillip Y: Erst kürzlich gab es Forschungsberichte, die belegen, dass Prozac nicht besser ist als Placebo. Aber Prozac wird von 40 Millionen Menschen geschluckt. Teilweise täglich. Der Placebo-Effekt beweißt doch, dass uns meistens der Glaube an uns selbst hilft.
Liebe ist sicherlich ein sehr gutes Mittel, um ein gutes Leben zu führen. Wir sollten uns zunächst selbst lieben. Wenn es uns nur gut geht, wenn wir von einem anderen Menschen geliebt werden, dann sind wir wieder in einer Abhängigkeit. Und Abhängigkeit ist nie gut. Weder von Drogen, noch von Antidepressiva, noch von der Liebe anderer Menschen.
Glück steckt in uns selbst. Wir können lernen glücklich zu sein! Schritt für Schritt!
Herr Horbach haben sie Psychopharmakaphobie? ich konnte wetten das Sie noch nie eine psychische problem hatten und wissen nicht was eine depression wirklich ist. Ja klar Joggen kan helfen aber auch nur für paar stunden am nächsten tag ist man wieder ganz unten. Sie werden sehen das in Zukunft werden AD ohne rezeptpflicht in Apotheken verkauft wie Asperin. Die Menschen kommen einfach in diese progressive zeitalter nicht mit, wie auch den? wir sind dafür nicht geschaffen, noch nicht.
Bin erkältet, verzeihung für die Fehler.