Negative Gefühle überwinden - aber wie?
Dienstag, 8. Jul 2008 10:54 von Wolff Horbach
Ärger, Hass, Neid, Wut, Zorn. Die Liste der negativen Gefühle ist lang. Sie haben eines gemeinsam: Sie machen uns - und womöglich andere - unglücklich. Wer sein persönliches Glück steigern will, tut gut daran, die negativen Gefühle im Zaum zu halten - oder am besten: ganz zu beseitigen.
Die negativen Gefühle ganz beseitigen? Geht denn das? Ja - aber das ist schon die hohe Kunst. Buddhistische Mönche schaffen es tatsächlich, sich komplett von allen negativen Emotionen zu befreien. Sie erreichen dies durch jahrelange spirituelle Praxis - hauptsächlich durch gezielte Meditationstechniken.
Aber wir wollen die Meßlatte nicht zu hoch anlegen. Wer hat schon Zeit, täglich ein paar Stunden zu meditieren? Für den Alltagsgebrauch reichen bereits ein paar einfache Techniken, um die negativen Gefühle erheblich zu reduzieren. Am besten erfolgt das in mehreren Stufen:
Wahrnehmen
Oft laufen negative Gefühle automatisch ab. Es geschieht etwas und schon sind wir auf 100. Der Gatte hat mal wieder die Socken rum liegen lassen und schon folgt der Wutausbruch. Wenn wir dann wahrnehmen, “jetzt bin ich wieder wütend”, dann sind wir bei der ersten Stufe angelangt. Im Anfang werden wir es vielleicht erst nachher merken; nach dem Wutanfall. Wenn wir aufmerksam genug sind, dann merken wir die negativen Gefühle im Moment des Entstehens: “jetzt werde ich wieder wütend”. Wenn wir dabei angekommen sind, sagen zu können, “jetzt laufe ich wieder Gefahr, wütend zu werden”, dann haben wir schon einiges erreicht. Wir können möglicherweise die Wut - oder die anderen negativen Gefühle - im Keim ersticken.
Ursachen erforschen
Negative Gefühle haben immer eine Ursache. Oft mehrere. Es gibt da die äußere Ursache - der Socken auf dem Fußboden - und eine innere Vorstellung, wie es sein sollte: der Fußboden im Wohnzimmer sollte frei von Klamotten sein. Aus dem Vergleich der inneren Welt (unserer Idealvorstellung) und der äußeren Welt ergibt sich eine Diskrepanz. Und dieser - nicht gewollte - Unterschied ist der Auslöser der negativen Gefühle. Wir tun also gut daran, uns selbst zu erforschen, warum die negativen Gefühle in uns hoch steigen.
Äußere Ursachen beseitigen
Wenn wir uns mit unserem Partner immer wieder wegen Kleinigkeiten in die Haare geraten - er hat die Socken liegen lassen, sie die Zahnpastatube “falsch” ausgedrückt - dann ist es ja wohl hirnrissig, immer wieder darüber in Wut zu geraten. Sinnvoll wäre eine einvernehmliche Lösung: beim nächsten Liegenlassen der Socken ist dreimal Abwaschen oder eine Einladung zum Abendessen fällig.
Innere Ursachen beseitigen
Kleine äußere Ursachen lassen sich vielleicht leicht beseitigen. Aber wenn ich zornig werde, dass internationale Konzerne Kinder in der dritten Welt ausbeuten, wird das schon schwieriger. In diesem Falle ist der Zorn sicherlich berechtigt, aber wenig hilfreich.
Aber was ist, wenn ich gelb vor Neid werde, wenn einer meiner Nachbarn ein neues Auto hat. Da ist die äußere Ursache ganz ok - vor allem wenn das neue Auto weniger Lärm macht und weniger CO2 emittiert als die alte Rostlaube. Hier ist die tatsächliche Ursache meines negativen Gefühls eine falsche Vorstellung. Vielleicht denke ich, dass neue Autos glücklich machen. Oder dass mit einem besseren Auto mein eigener Wert steigt.
Hier liegen die allermeisten Ursachen für negative Gefühle. Die falschen Glücksvorstellungen sind die Keimzelle von vielem Ungemach. Die gute Nachricht ist, dass wir uns davon trennen können. Wie gesagt: Glück ist lernbar!
Hier schreibt 
DANKE für diesen wert-vollen Beitrag! Ja, Glück ist lernbar - wir lernen ein Leben lang, ist das nicht wunderbar? Das Erkennen ist der erste Schritt. Wir üben täglich und sehen in allen Situationen Gelegenheiten zu lernen. Um ein Leben voller Lieben, Lernen und Lachen glücklich zu leben.
Herzlichste Lichtblicke von Elisabeth @–>–
Lieber Wolff,
Deinem Fazit kann ich mich nur anschließen: Glück ist lernbar. Ich selbst stecke gerade dieses Jahr in einem intensiven Lernprozess und es lohnt sich ungemein.
Zum Thema “negative Gefühle” möchte ich noch anmerken, dass es auch wichtig ist, diese Gefühle dasein zu lassen und anzuerkennen. “Wegmachen” und “bekämpfen” sind für mich die umständlichen Wege. Oft genügt es, sich zu sagen “ja, ich bin jetzt wütend” oder “ja, ich habe gerade Angst” und dann weiter gut zu sich zu sein, sich nicht selbst dafür zu beschimpfen oder bestrafen a la “jetzt hatte ich schon wieder Wut! So ein Mist aber auch!” das macht die Sache nur schwieriger.
Je mehr ich zu meinen Gefühlen stehe und mir meiner Gefühle bewusst werden, desto weniger Macht haben diese über mich. Das habe ich letztens selbst erlebt, als ich emotional sehr aufgewühlt war und trotzdem klar blieb. Dann kann ich aus der Klarheit heraus handeln und z.B. die herumliegende Socke als unwichtig erkennen, klar kommunizieren oder mir erschliessen sich innere Ursachen.
Liebe Grüße,
Tino.
PS: Danke für den Hinweis auf den 81-Jährigen. Eine ergreifende Sache.