Lärm macht krank - und wütend!
Samstag, 16. Aug 2008 12:51 von Wolff Horbach

Heute ist Samstag, ein schöner Sommertag dazu. Ich könnte die Türe zur Terrasse offen haben oder in der Sonne sitzen. Aber nein, weil in der Nachbarschaft so ein Typ mit einem Presslufthammer versucht, ein Dach zu sanieren, ist mir beides verleidet. Permanent dieses Geratter! *grrrrr*
Früher gab es mal so etwas wie Lärmschutz in der Mittagspause. Örtliche Regelungen in Städten und Gemeinden konnten verordnen, dass zu bestimmten Zeiten (z.B. von 12 Uhr bis 14 Uhr) jeglicher Lärm zu vermeiden sei. Aber jetzt gibt es ein EU-weites Gesetz, dass den einzelnen Staaten und deren Untergliederungen (Ländern, Kreisen, Städten und Gemeinden) solche Ausnahmen verbietet. Super Fortschritt!
Mit anderen Worten: Jeder, der heute Lust und Laune dazu hat, kann von 7 Uhr morgens bis 22 Uhr abends seine Nachbarn ununterbrochen mit Motorsägen, Kreissägen und Presslufthämmern auf die Nerven gehen! Ohne Einschränkung! Ohne, dass man irgendetwas dagegen tun kann. Hilfe, ich bin dabei, meine Gelassenheit zu verlieren!
Mein Großvater hatte eine große Obstplantage (kam mir als Kind jedenfalls so vor). In der Scheune hing an einem Nagel eine Baumsäge. Mit dem kleinen handlichen Ding hat mein Großvater die ganze Plantage per Hand gepflegt. Und ich hatte immer das Gefühl, dass es ihm große Freude bereitete. Wenn da ein Ast im Wege stand, nahm mein Großvater die Säge und ratsch, ratsch, ratsch - war der Ast ab. Heute meint jeder, der zwei Zierkirsch-Bäumchen im 15 Quadratmeter-Garten hat, ohne Motorsäge könnte er den 2cm dicken Ast, der zuviel wächst, nicht bewältigen. Da wird dann zu Feierabend die Lärmmaschine aus der Garage geholt - und rämmm, rämmm, rämmm - die gesamte Nachbarschaft lautstark darüber informiert, was für eine toller Kerl man doch ist. Wenn man schon den ganzen Tag im Büro gesessen hat, kann man sich wenigsten Abends in die Nähe von kanadischen Holzfällern wähnen. Ja - Wahn ist der richtige Ausdruck.
Lärm macht nicht nur krank - unzählige Studien haben das bewiesen - sondern mich heute auch noch wütend.
Ich werde jetzt den Glücksweg “Bewegung” wählen und mich aufs Fahrrad schwingen. Weg vom Lärm.
Hier schreibt 
Diese Neuigkeiten schocken mich aber! Ich halte mich immer strikt daran, zwischen 13 und 15 Uhr keinen allzu großen Lärm zu veranstalten. Und ab 22 Uhr bin ich ohnehin nur noch auf “standby”. Den Sonntag pflege ich außerdem als “Ruhetag”. Es wäre schrecklich, wenn demnächst jeder “legal” Lärm verursachen darf, wann er möchte. Aber vielleicht habe ich Glück! In meinem Wohnhaus leben nur ältere Leute, die die “Ruheregeln” ebenso mögen und beachten wie ich.
Hallo Wolff,
deine Leidensgeschichte kann ich gut nachempfinden. Mir erging es in den letzten Wochen auch nicht anders. Gerade am Wochenende, wo Ruhe & Muße angesagt ist, kommt da der unerträgliche Lärm aus der Nachbarschaft: Baulärm & Co. Gerade in den heiligen Mittagsstunden (ich meine, dass Focus geschrieben hätte, dass Mittagsruhe bis 15.00 Uhr einzuhalten wäre! - muss ich nochmals nachlesen) finde ich Rasenmähen mehr als lästig. Entspannt draußen sitzen und ein Buch lesen ist einem da wirklich vergönnt. Was bleibt, Fenster dicht machen und sich zurückziehen. Ist das im Sinne des Erfinders? Alle Freiheiten werden einem geraubt. Da fahre ich doch lieber in mein Büro, da ist am Wochenende wenigstens kein Baulärm!
Herzliche Grüße
Heike
Hallo Heike,
wenn du im Focus oder sonst etwas findest, wäre ich dir sehr dankbar für einen kurzen Hinweis. Ich glaub das einfach nicht, dass das Recht Lärm-zu-machen Vorrang hat vor dem Recht auf Ruhe.
Hallo Wolff,
ich werde stöbern gehen…melde mich wieder!
Hallo Wolff,
nochmals ganz kurz: Die Antworten bekomme ich leider nicht automatisch. Das finde ich schade. Denn im Alltagsstrudel verfolgt man nicht immer die Antwortkette…
Hallo Wolff,
also, Focus hat im Heft/2008, S. 46 zu vermelden:
“Zwischen 13.00-15.00 Uhr und 22.00 - 6.00 Uhr ist Ruhe einzuhalten.”
Das ist zumindest die nachbarschaftliche Regelung. Wenn jemand gewerbsmäßig Lärm macht dann entfällt meines Wissens das erste Zeitfenster. Ich habe es aber auch erlebt, dass Schwarzarbeiter nach 22.oo Uhr im Sommer tätig waren. Es ist teilweise unglaublich. Gemäß dem Motto: Wo kein Kläger, da kein Richter. Aber alles muss man sich ja auch nicht gefallen lassen, gelle?
Hallo Heike,
danke für die Info. Ich fürchte nur, das hilft wenig. Das zwischen 22:00 und 6:00 funktioniert ganz gut und ist auch gesetzlich wohl so geregelt. Das zwischen 13:00 und 15:00 funktioniert immer weniger. Ich habe schon mehr Nachbarn darauf angesprochen, die gerade in dieser Zeit bohrten oder sonstigen Lärm machen. Ein “Entschuldigung” habe ich selten gehört, meistens gibt es verständnisloses Schauen oder eine blöde Bemerkung. Laut Baumarktwerbung “gibt es ja immer was zu tun”. Das geht geht selbstverständlich vor dem Recht auf etwas Mittagsruhe.
Da hilft nur der Glücksweg “Gelassenheit“.