Leerbeauftragte Annegret Braun
Sonntag, 31. Mai 2009 10:54 von Wolff Horbach
Dr. Annegret Braun ist an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München Lehrbeauftragte am Institut für Völkerkunde / Europäische Ethnologie. Für die Süddeutsche hat Annegret Braun kürzlich ein Interview gegeben: »Die Suche nach Glück kann unglücklich machen«. Wenn ich mir das Interview so ansehe, scheint mir Frau Braun keine Lehrbeauftragte zu sein, sondern eher eine Leerbeauftragte. Zumindest, was ihre Kompetenz für das Thema Glück angeht. Begründung:
Fangen wir mit dem Fazit an: den Titel »Die Suche nach dem Glück kann unglücklich machen« hat Frau Braun wahrscheinlich nicht vorgegeben, aber durch ihre Aussagen bei der Interviewerin zumindest - sagen wir - provoziert. Und das halte ich für fatal: Wie kann man nur als jemand, der “ein Forschungsprojekt zum Thema Glückserleben und Lebensglück beantragt” hat, diesen Gesamteindruck erwecken?
In den Details wird es noch schlimmer:
sueddeutsche.de: Frau Braun, sagen Sie es uns: Wie wird man glücklich?
Annegret Braun: Ich habe eine schlechte Nachricht: Glück ist nur eingeschränkt machbar. In Deutschland herrscht allerdings die Meinung vor, dass man sich nur genügend anstrengen muss, um glücklich zu sein.
Die Möchtegern-Lehrbeauftragte für Glück startet mit einer schlechten Nachricht. Großartig! Dabei widerspricht diese Nachricht diametral den zentralen Erkenntnissen der Glückforschung, nämlich dass Glück lernbar ist und JEDER eine Menge für sein eigenes Glück tun kann.
Hat Frau Braun die Erkenntnisse der Glücksforschung nicht gelesen? All die Forschungsergebnisse von Ed Diener, Martin Seligman, Mihaly Csikszentmihalyi, Sonja Lyubomirsky, Ruut Venhooven usw.. Kennt sie all dies nicht oder ignoriert sie es?
[...]
sueddeutsche.de: Bleiben wir mal bei der Leistungsgesellschaft: Viele Menschen versuchen, Karriere zu machen. Macht Erfolg denn glücklich?
Braun: Ja, auf jeden Fall. Aber nicht auf Dauer.
Auch hier scheint Frau Braun die Fakten nicht zu kennen. Es ist genau umgekehrt: »Erfolg hat, wer glücklich ist«.
[...]
sueddeutsche.de: Sie finden das Unglück also gar nicht so übel?
Braun: Das Glück ist schön, aber was uns im Leben weiterbringt, sind Unglück und Krisen. Weil wir dann darüber nachdenken, was wichtig ist im Leben und was wir verändern müssen. Niemand ist gerne unglücklich, und das ist auch legitim. Aber ich finde es problematisch, wenn man das Unglück aus dem Leben verdrängt. Wenn man eine Krise bewältigt hat, erlebt man das Glück auch wieder intensiver. Wir brauchen das Unglück, um das Glück richtig wahrnehmen zu können.
Die letzte Aussage finde ich dümmlich. Ersetzen wir die Worte Unglück mit Krankheit und Glück mit Gesundheit. Da sehen wir den Unsinn: “Wir brauchen die Krankheit, um die Gesundheit richtig wahrnehmen zu können”. Ein offensichtlicher Blödsinn. Ich muss nicht erst eine schwere Krankheit erleiden, um die Gesundheit zu schätzen.
So ist es auch mit dem Glück: Ich muss nicht erst ein Unglück erlitten haben oder eine Krise durchlaufen, um mir der großen Bedeutung des Glücks bewusst zu sein. Wenn ich aber weiß, was menschliches Unglück anrichten kann, dann bin ich vielleicht eher motiviert, etwas für mein Glück zu tun.
Es sind nicht Unglück und Krisen, die uns weiterbringen, sondern Herausforderungen. Aufgaben, die unser ganzes Können und all unsere Kraft verlangen, ohne uns zu überfordern. Frau Braun: Bitte bei Mihaly Csikszentmihalyi nachlesen.
Den Blödsinn, dass erst große Krisen uns voran bringen, lese ich immer wieder. Der fatale Fehler, der dabei gemacht wird ist folgender: Selbstverständlich gibt es Menschen, die aus Krisen gestärkt hervorgehen. Es gibt auch Menschen, die den Krebs besiegen. Wir haben aber leider die Neigung, ausschließlich die Sieger zu betrachten. Die sind aber in der Minderheit. Wir bewundern die eine Spontanheilung und vergessen die zwanzig Toten, für die die gleiche Krankheit kein Glück gebracht hat.
Ich finde, Annegret Braun sollte erst einmal die Grundlagenliteratur zu dem Thema Glück studieren, bevor sie die Menschen weiter und fälschlicherweise darin bestärkt, dass man für sein Glück nur wenig tun kann. Bis dahin ist sie für mich eher eine Leerbeauftragte.
Hier schreibt 
Ich weiss nicht auf welchem Planet diese Frau Ihre Studien betreibt. Ich hatte auch meine Probleme mit dem “glücklich sein” und bin dann im Netz auf eine Seite gestossen (www.happy4e.com). Die bieten ein Programm an (Der Weg zum Glück). Da wird auf die Eigenverantwortung bezüglich dieses Themas hingewiesen. Mit Beispielen und Übungen habe ich gelernt, dass ich mir mein “Unglück” mehrheitlich selbst eingebrockt habe und wie ich das ändern kann. Nun ich kann sagen: ich bin heute glücklich und zufrieden. Das hatte positive Auswirkungen in meinem Umfeld und auch beim Job. Glücklich sein ist für jeden möglich, davon bin ich überzeugt. Und es ist eigentlich gar nicht so schwer. Also nehmt Euch an der Nase: das Glück kommt nicht zu Euch, Ihr müsst es Euch erarbeiten. Und dafür braucht es keine Studien, sondern bewusstes Leben.
Oskar Hasler